aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist nur zum Teil bewusst steuerbar. Die sogenannten präattentiven Prozesse beginnen fast zeitgleich mit dem Registrieren der Information und sind nach ca. 300-500 Millisekunden abgeschlossen. Sie nehmen alle dargebotenen Reize wahr und stellen die Ergebnisse dem Bewußtsein zur Verfügung. Solange keine besondere Bedeutung erkannt wird (signifikanter Reiz durch Bewegung, leuchtende Farbe), dringen diese Prozesse nicht ins Bewusstsein. Durch einen signifikanten Reiz unterbrechen die präattentiven Prozesse das bewusste Denken und lenken die Aufmerksamkeit um.
Was wir sehen und mental verarbeiten, wird durch unsere Gewohnheiten beeinflusst, die wir nicht beliebig verändern und steuern können. Es gibt biologisch programmierte "Gewohnheiten" wie z.B. das reflexartige Ansprechen unserer Aufmerksamkeit auf Bewegungen oder intensive Farben. Es gibt gelernte Gewohnheiten, so etwa die Blickreihenfolge von links oben nach rechts unten, die durch die Leserichtung in unserer westlichen Kultur vorgegeben wird. Es gibt internetspezifische Gewohnheiten, wie das schnelle, oberflächliche Querlesen von Internet-Seiten ("Scanning".). Und es gibt individuelle Gewohnheiten, die sich z.B. im Wegklicken von Popup-Windows oder auch der Vorgabe bestimmter Browser-Einstellungen für Schriften und Farben äussern können.
Es existieren zwei Arten der Aufmerksamkeit: schwebende und fokussierende.
Schwebende Aufmerksamkeit ist kreativ
Schwebende Aufmerksamkeit liegt vor, wenn wir eine breite Menge an Informationen
"parallel" aufnehmen und relativ oberflächlich verarbeiten, ohne uns um Einzelheiten
zu kümmern. Das freie, ziellose Scannen von Internet-Seiten ist ein ausgezeichnetes
Beispiel hierfür: Hierbei werden die Inhalte einer Seite in groben Blickbewegungen
überflogen bzw. quergelesen, und die verschiedensten Dinge werden kurz registriert.
Der Informationsdurchfluss und die Verarbeitungskapazität sind also sehr hoch.
Die Wahrnehmung kommt dabei nicht (jedenfalls nicht gleich) zum Stehen, d.h.
sie beachtet weder nur das, was besonders hervorsticht, noch frißt sie sich
an Details fest. Damit dies funktionieren kann, muss die schwebende Aufmerksamkeit
relativ offen, also unsystematisch gesteuert sein, das Bewußtsein muß sich ausklinken
und die Dinge laufen lassen. Das Wahrnehmen und Analysieren uneindeutiger
oder auch ungewöhnlicher Informationen ist die besondere Stärke der schwebenden
Aufmerksamkeit. Ihre Aufgabe ist nicht nur, uns einen Überblick über große Informationsmengen
zu verschaffen, sondern auch Bedeutungen wahrzunehmen, die versteckt, unscharf,
uneindeutig sind, also zwischen den Zeilen stecken. Die schwebende Aufmerksamkeit
kann auf alle Arten von Informationen reagieren, seien es Symbole, Text, Musik,
räumliche Konfigurationen, und diese miteinander in Beziehung zu setzen.
Fokussierende Aufmerksamkeit ist zielgerichtet
Sie tritt auf, wenn wir mit einem bestimmten Ziel nach einer Information suchen
oder eine geordnete Handlung ausführen. Ihre Funktion ist das bewußte Steuern
von geordneten Handlungen und Denkvorgängen. Da hierbei sprachliche Vorgänge
oft eine wichtige Rolle spielen, ist die bevorzugte Modalität sprachlich. Im
Zustand der fokussierten Aufmerksamkeit werden nur die aktuell passenden Informationen
wahrgenommen, alles störende wird so weit wie möglich unterdrückt oder ausgefiltert.
Die Verarbeitungskapazität ist dabei im Vergleich zur schwebenden Aufmerksamkeit
gewissermaßen "umverteilt", d.h. es können nur relativ wenige Informationen
gleichzeitig beachtet, diese dann aber sehr tiefgehend analysiert werden. Weiter
ist fokussierte Aufmerksamkeit mit "seriellen" Denk- oder Handlungsprozessen
gekoppelt, also Vorgängen, bei welchen es eine systematische Folge von Schritten
gibt, die zu einem bestimmten Ziel führen.
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